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Abstracts der 19. Arbeitstagung (Remscheid 2008)
>> Arndt, Jürgen
>> Barber-Kersovan, Alenka
>> Elflein, Dietmar
>> Döhl, Frédéric
>> Fairley, Jan
>> Forman, Murray
>> Georgi, Richard von et al.
>> Holtsträter, Knut
>> Kautny, Oliver
>> Liptrot, Michelle
>> Lothwesen, Kai / Stavenhagen, Iris-Christiane
>> Lücke, Martin
>> Malan, Saskia
>> Mulder, Merle
>> Rhein, Stefanie
>> Rottgeri, André
>> Rumpf, Wolfgang
>> Schütze, Dennis
>> Smith, Nicola
1959 verkündete Ornette Coleman: Tomorrow is the
Question! 1960 präsentierte Sun Ra seine Futuristic Sounds. Mit den
gleichnamigen Alben nahm der Jazz die Zukunft ins Visier. Ob als „New Thing“
oder „Free Jazz“, es ging vorwärts ins „Neue“ und „Freie“ hinein. Ein halbes
Jahrhundert später sind die Auswirkungen immer noch lebendig. Im Rückblick
auf den Aufbruch um 1960, aber auch im Blick auf die Entwicklungen in den
darauf folgenden Jahrzehnten bis in die Gegenwart hinein wird das Altern
einst avancierter Improvisationen im Jazz nicht als längst vergangen,
sondern immer noch als lebendig erfahrbar. Warum? Improvisation ist in ihrem
Kern auf die Gegenwart, auf aktuelle Präsenz, auf den bestimmten Moment
ausgerichtet. Mögen noch so sehr Zukunftsprojektionen mit im Spiel sein, im
Jazz zählt der Augenblick. Das war auch um 1960 nicht anders. So wurde die
zurückliegende Vergangenheit – aller futuristischen Emphase zum Trotz – im
„New Thing“ nicht etwa negiert, sondern revitalisiert. Das Altern war dem
avancierten Jazz um 1960 nicht fremd, sondern ihm bereits eingeschrieben. Es
gab keinen Generationenkonflikt, keine Grabenkämpfe oder gar Skandale,
allenfalls Missfallen oder Missgunst, aber vor allem: Dialoge zwischen Alt
und Jung: von Charles Mingus‘ Hommage an Jelly Roll Morton bis zum
gemeinsamen Album von John Coltrane mit Duke Ellington.
Das unter dem Oberbegriff Russendisco zusammengefasste
Musikphänomen ist in einem engen Zusammenhang mit den Migrationsbewegungen
in Anschluss an den Zusammenbruch des Sozialismus zu sehen. Es handelt sich
um eine musikalische Subkultur, die einerseits das kulturelle Recycling des
popmusikalischen Erbes der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten
pflegt und andererseits in der westlichen Diaspora auch neue musikalische
Artefakte schafft. Sie wird im Wesentlichen von russischsprachigen Migranten
getragen, spricht aber in zunehmendem Maße auch ein internationales Publikum
an.
Im Einzelnen werden die folgenden Aspekte angesprochen:
strukturelle Rahmenbedingungen (Veranstalter, Locations, Labels)
Musik und andere kulturelle Ausdrucksweisen (Literatur)
die Rolle der Sprache
die Aufarbeitung sozialistischer Erfahrungen
Querverbindungen zu ähnlichen Kulturphänomenen (Balkan Rock)
Kommerzialisierung und Vermarktung
die Rezeption des ‚Westens’ durch den ‚Osten’
die Neukodierung des ‚Ostens’ durch den ‚Westen’.
Heavy Metal gilt als einer der populärmusikalischen
Stile bzw. einer der um Populärmusik zentrierten Lebenswelten, die nicht auf
Vorstellungen von Jugend oder Jugendlichkeit beschränkt sind, sondern
hypothetisch das ganze Leben einschließen.
Die Art und Weise wie z.B. Jugend und Alter als verschiedene
Lebensabschnitte aufeinander bezogen werden, beruht auf unterschiedlichen
Vorstellungen vom Verlauf von Zeit, vom Verhältnis von Gegenwart und
Vergangenheit. Die Ethnologie unterscheidet in diesem Zusammenhang lineare
und zyklische Zeitvorstellungen, Vergangenheit kann eine gleich bleibende
(Mythos) oder wachsende (Historie) Distanz zur Gegenwart aufweisen. Das Fest
wiederum gilt z.B. Jan Assmann als eine der primären Organisationsformen des
kulturellen Gedächtnisses, als Ort der Vergegenwärtigung des Mythos.
Der Vortrag geht der Frage nach, inwieweit Open Air Festivals der Heavy
Metal Szene analog als Orte der Vergegenwärtigung der eigenen Geschichte
bzw. als Orte der mythischen Gemeinschaftsbildung betrachtet werden können.
Die parallel existierenden linearen und zyklischen Zeitvorstellungen,
mythischen und historischen Vergangenheitsformen bei Musikern,
Organisatoren, Anwohnern, Journalisten und Besuchern sollen analysiert
werden und nach ihrer jeweiligen Hierarchisierung gefragt werden. Besondere
Beachtung verdient dabei die rituelle Alltäglichkeit von Besonderheiten wie
der Wiedervereinigung ehemals als einflussreich geltender Bands für ein
Festival bzw. eine Festivalsaisonon (2008: Carcass, At the Gates, Biohazard),
Konzerten, die sich ausschließlich aus Liedern einer längst vergangenen
Karrierephase speisen (2008: Iron Maiden), oder bereits im Vorfeld
angekündigte Bandauflösungen (2008: Ministry).
Untersuchungsgegenstand sind ausgewählte Sommerfestivals der Heavy Metal
Szene wie das With Full Force Open Air und das Wacken Open Air. Die
gewählten Methoden sind teilnehmende Beobachtung und Diskursanalyse.
Hintergrund:
Die Frage der Entstehung der Barbershop Harmony und ihre Datierung sind
Gegenstand meiner im April 2008 an der Freien Universität Berlin
eingereichten Dissertation im Fach Musikwissenschaft bei Prof. Albrecht
Riethmüller. Als Ergebnis ausgiebiger Quellenforschung wurde die Entstehung
dieses Stils vokaler Mehrstimmigkeit vom Gilded Age (ca. 1875-1900) auf die
1940er Jahre datiert.
Gemeinhin erscheinen „Jugend“ und „Jugendlichkeit“ als geradezu notwendiges
Ziel des Wegs, den der Diskurs ums Alter in der Populärmusik stets zu nehmen
hat. Im Fall der Barbershop Harmony liegt der Schwerpunkt jedoch in genau
entgegengesetzter Richtung.
Barbershop Harmony ist eine Form vokaler Mehrstimmigkeit, die in den
Vereinigten Staaten entstanden ist, wo heute (neben Kanada) nach wie vor das
Zentrum der Pflege dieses Stils liegt. Mehr als 60.000 Sänger und
Sängerinnen zählt diese stark institutionalisierte Subkultur gegenwärtig. In
ihren musikalischen Strukturen eine präzise definierte und zugleich
vergleichsweise einfache Art populärer Vokalmusik, wird hier ästhetisch die
Realisierung eines bestimmten Klangideals verfolgt, der sogenannte
Barbershop Sound. Es werden nahezu ausschließlich vierstimmige Bearbeitungen
alter, der amerikanischen Populärmusik zwischen 1865 und 1950 zuzuordnenden
Lieder dargeboten.
Die heutige Subkultur geht auf die Gründung der Barbershop Harmony Society
im Jahr 1938 zurück, die in Nashville sitzt und Herz der Szene ist. Das von
den Initiatoren seinerzeit aufgelegte musikalische Programm, das zeitnah
sogar schriftlich festgelegt und über die Regelen von Wettbewerben
durchgesetzt wurde, verstand sich mit aller daraus resultierenden Orthodoxie
als eine Form Historischer Aufführungspraxis, deren Gegenstand im
ausgehenden 19. Jahrhundert verortet wurde. Diese Sicht prägt die Subkultur
bis heute, hat sich jedoch nunmehr durch ausgiebige Primärquellenforschung
als – vorsichtig formuliert – historisch sehr zweifelhaft erwiesen.
Würde dieses musikhistorische Ergebnis für die Gegenwart der Subkultur
eigentlich nichts ändern, da es für den musikalischen Alltag keinen
Unterschied macht, ob man nun einen Vokalstil von 1890 oder 1950
originalgetreu erhalten und pflegen will, solange Noten und ästhetisches
Ziel unverändert bleiben, waren die Reaktionen auf dieses Ergebnis aus der
Subkultur durchaus irritiert. Der Verlust von einem halben Jahrhundert Alter
und damit Tradition wird offenkundig als negativ empfunden. Zudem wird der
Einschnitt als deutlich gravierender eingestuft als etwa eine Umbestimmung
der ethnischen Wurzeln dieser Praxis (von euro- zu afroamerikanisch), ein
Diskurs, der die letzten gut 15 Jahre geprägt hat – gerade auch in der
Forschung zur Barbershop Harmony. Doch selbst innerhalb der
wissenschaftlichen Literatur existieren kaum Belege, die auf die Existenz
dieses Satzstils um die vorletzte Jahrhundertwende hindeuten. Die Ablehnung
aus der Subkultur hat also wenig mit Fakten zutun, dafür viel mit Emotionen.
Das ist nicht zuletzt deswegen überraschend, da entgegen den Initiatoren der
Barbershop Harmony Society in den 1930er Jahren heute niemand mehr einen
persönlichen Bezug zur Referenzmusikkultur des ausgehenden 19. und
beginnenden 20. Jahrhunderts hat, woraus diese Emotionalität vielleicht
nachvollziehbar werden könnte.
Über die Bedeutung, die Begriffen wie Alter, Tradition, Nostalgie und
Originaltreue für die Barbershop Harmony der Gegenwart zukommt und wo die
Konfliktlinien verlaufen, möchte der vorliegende Beitrag informieren und auf
diesem Weg einen Bereich populärer Musik vorstellen, für den Kategorien wie
Jugend, Reform, Innovation, Neuheit und Veränderung gerade nicht bestimmend
sind.
The Buena Vista Social Club are one of the recording
and performing phenomenon of the late 20th early 21st century. A collective of
largely veteran Cuban musicians who came together in the Egrem studios in
Havana in 1997 their disc of classic Cuban repertoire from the 1940s,
recorded for World Circuit (a small independent one man run UK label) was
expected to sell modestly on the world music market. It has now sold in
excess of 8 million copies and continues to sell approximately 60,000 copies
per year to new audiences. The Orchestra Buena Vista Social Club (as they
will be re-named in Summer 2008) continue to tour internationally playing to
large audiences of all ages (including many young people in their 20s and
30s ) even thought three of the 'original' front line musicians ('Compay
Segundo', Ibrahím Ferrer, Ruben González) are now dead.
The (Orchestra) Buena Vista Social Club (now a registered trade mark)
continues to be dominated by musicians in their 60s and 70s supported by
young talent. In this paper based on many interviews with the musicians,
time in the studio and on tour with them, and on interviews with their
record company boss, sound engineer, tour management etc I will explore the
whys and wherefores of their success and the popularity of their 'evergreen'
music, the implications of their story (in the wider context of Cuban and
Latin American culture) for the music industry and issues concerning 'cultural
capital', in the context of the conference theme of age and ageing in
popular music.
This presentation is based on a detailed ethnographic
study of the patterns of musical performance and reception among elder
citizens, especially those 70 years of age and older. The project
investigates the processes through which elders (a conspicuously overlooked
social group in popular music studies) employ popular music as a mediating
factor influencing self-definition, social affiliation, group interaction,
and the formation of “affective alliances” (Grossberg, 1992). Despite
prevailing notions of a generation that is defined by decrepitude and
dependency (often framed within what Margaret Morganroth Gullette [2004]
terms “decline narratives”) elders are, in fact, often highly engaged with
popular music.
Elders perform in bands at small concerts and social events where their
primary audience is comprised of their own peer cohort. Assisted living
facilities include musical concerts and sing-a-longs as a standard facet of
their activities programs. Furthermore, regular seniors’ social dances
feature bands of elder musicians playing what I term “age appropriate” songs
(Tin Pan Alley tunes, jazz standards and other popular selections), spanning
the 1930s-1950s. My research draws on extensive interviews with elder
musicians and audience members at musical concerts, held at assisted living
facilities and encompasses observations from weekly seniors’ social dances.
Finally, my presentation, like the theme of the “…alles hat seine Zeit”
conference itself, responds directly to David Hesmondalgh’s statement,
“Pop is still discursively centered around the young, but we should no
longer see the consumption of music as being primarily a youth phenomenon…the
privileging of youth in studies of music is an obstacle to a developed
understanding of music and society.” (Hesmondalgh, 2005 )
„And now the end is near…“ Sinatra sang diese Liedzeile
bereits mit 53 Jahren, also in einem Alter, in dem man im Allgemeinen auf
die Früchte seines Lebens zurückschauen kann. Betrachtet man jedoch das 1969
auf CBS gesendete TV-Special, dem letzten vor Sinatras vorläufigem Rückzug
in den Ruhestand im Jahr 1971, so scheint für ihn dieses Konzept nicht ganz
aufgegangen zu sein. Dort theatralisiert er sich als älterer einsamer Herr
im Cashmere-Pullover. Die Intimität der Szenerie und der Kostümierung sowie
die Verletzlichkeit des Vortrags finden sich auch inhaltlich in den zumeist
neu geschriebenen Songs und einer Spoken Word-Passage. Und auch wenn Sinatra
beteuert, lediglich „alone, but not lonely“ zu sein, wird die Figur des ‚Loner’,
wie er noch von den Dean Martin und Bing Crosby in ihren ‚besten’ Altern
dargestellt wird, hier verwandelt in die des von Kindern, Frau und Freundin
alleingelassenen alten Mann. Indem Sinatra von aller Coolness ablässt und
einen Blick in seine (freilich gestellte) Privatheit erlaubt, bricht er die
bislang gepflegte Identitätsfigur der ‚cool cat’ und des ‚chairman’.
Ob dies nur aus seiner biographischen Situation herzuleiten ist, ist
fraglich: Tatsächlich war Sinatra zu der Zeit von Mia Farrow verlassen
worden und seine körperliche Form bei dieser Performance war merklich
schlechter als in späteren Jahren. Diese Show dokumentiert also auch die
existentielle Krise des Sängers und Schauspielers Sinatra. Indem er diese
biographische, persönliche Situation jedoch dramatisiert und in eine
theatrale Form gießt, sowie seine Stimme und seinen Körper (d.h. ‚sich
selbst’) in den theatralen Kontext einer Lebenserinnerung zur Disposition
und zur Kritik stellt, gibt er dem Problem des Übergang vom „best ager“ zum
Senioren – oder von der zweiten zur dritten Lebensphase – eine
allgemeingültige Dimension. Dieser klare Image-Wechsel um 1969 und die
Theatralisierung dieser Krise war nicht nur für Sinatra als ‚celebrity’ und
für seine Glaubwürdigkeit seines Comebacks im Jahr 1973 essentiell wichtig.
Dieses Memento mori stellt auch generell in der Geschichte der
popkulturellen Medienlandschaft eine neuartige ‚bewusste’ Auseinandersetzung
mit dem Alter(n) dar.
„Most of us is expecting [...], that
the work that we did in the 70s, 80s and 90s are not in vain. That is where
the hurt is coming from, that the younger generation would forget about us“
(KRS One, 2008).
Die verbitterte Klage so genannter Old-School-HipHopper, nicht mehr im
ausreichenden Maße respektiert und erinnert zu werden, gehört zu den
zentralen Topoi des HipHop-Diskurses. Und in der Tat erscheint die
gegenwärtige Situation ehemals sehr erfolgreicher HipHopper, die die ersten
beiden Jahrzehnte dieses Genres geprägt haben, oftmals als desolat. Viele
ehemalige Stars von damals spielen heute – sofern sie überhaupt noch aktiv
sind – meist auf kleinen Bühnen vor 200-300 Zuschauern. Und
HipHop-Anthologien der 1970er, 1980er und frühen 1990er Jahre erweisen sich
als Ladenhüter in den CD-Regalen. Herrscht im HipHop also eine
Erinnerungskultur vor, die seine alternden Stars tendenziell dem Vergessen
überlässt? Diese Frage veranlasst mich in diesem Beitrag dazu, das Augenmerk
auf DJs / Produzenten und Rapper zu richten, die den US-HipHop zwischen den
1970er und frühen 1990er Jahren bzw. den deutsche HipHop der 1980er und
1990er Jahre maßgeblich repräsentierten und heute scheinbar Probleme haben,
Fans dauerhaft an sich zu binden.
In einem ersten Schritt gilt es dabei, sich dem aktuellen Rezeptionsstatus
dieser so genannten Veteranen anzunähern. Diskutiert wird dabei u.a. die
Frage, wer heute als alt gilt und in welcher Form und an welchen Orten die
Veteranen gegenwärtig rezipiert und erinnert werden. Hier offenbart sich das
rasche Veraltern im HipHop alleine schon in der permanenten Redefinition des
Terminus „Old School“, der aus Sicht gegenwärtig 18jähriger US-Rapper
mittlerweile schon auf die 30jährigen Stars der Szene bezogen wird (z.B. auf
50 Cent !).
In einem zweiten Schritt wird die Erinnerungskultur des HipHop betrachtet.
Die zentrale Hypothese ist, dass die Kräfteverhältnisse zwischen musealen,
geschichtsbezogenen und aktualitätsbezogenen Erinnerungsmodi (A. Erll 2005)
im HipHop ungleich verteilt sind. Dies ist auf ein HipHop-spezifisches
Zusammenwirken ästhetischer, technologischer, soziologischer und
ökonomischer Faktoren zurückzuführen und verhindert eine stabile
Kanonisierung – mit entsprechenden Folgen für die Alt-Stars dieses Genres.
It has been said that age can no longer be defined
within traditional boundaries and that ‘a new language of ageing’ (Featherstone
and Hepworth, 1991, pp.371-389) is upon us. This certainly seems to be the
case with popular music, which is no longer an exclusively adolescent domain
(Hesmondhalgh, 2005) but continues to play a substantive role in the lives
of many adults. However, while interest has grown in this area there is a
tendency to focus on ageing individuals simply as consumers of the music.
This often overshadows the subcultures themselves, which have grown out of
the music and, more importantly, ignores the significance that such
subcultures have for older individuals. This paper will draw on findings
from a wider, mainly ethnographic research project that looks at the
persistence of the British underground punk subculture. In reporting on
findings from interviews, observations, and a survey, this paper will seek
to establish how and why individuals aged thirty and above continue to be
committed to this particular subculture. It will suggest that continued
commitment is related to notions of belonging, familiarity, and nostalgia,
and to the core values and beliefs of the subculture. It will also explore
the ways that participants negotiate their subcultural involvement with
other commitments, such as parental responsibility and employment. By
highlighting the lived experiences of older subcultural participants it is
hoped that this paper will add to, and advance discussions around this
dimension of age and ageing in popular music (cf. Bennett, 2006; Hollows and
Milestone, 1998).References:
Bennett, A. (2006) ‘Punk’s Not Dead: The Continuing Significance of Punk
Rock for an Older Generation of Fans’, Sociology, 40 (2), pp.219-235.
Featherstone, M. & Hepworth, M. (1991) ‘The Mask of Ageing and the
Postmodern Life Course’ in Mike Featherstone, Mike Hepworth & Bryan, S.
Turner (Eds.) The Body: Social Process and Cultural Theory. London: Sage,
pp.371-389.
Hesmondhalgh, D. (2005) ‘Subcultures, Scenes or Tribes? None of the Above’,
Journal of Youth Studies, 8, (1), pp.21-40.
Hollows, J. & Milestone, K. (1998) ‘Welcome to Dreamsville. A History and
Geography of Northern Soul’ in Andrew Leyshon, David Matless & George Revill,
The Place of Music. New York: The Guilford Press, pp.83-103.
Städte sind Schmelztiegel der Kulturen und Musiken
(vgl. Kaden/Kalisch 2002, Helms/Phleps 2007). Unser Ansatz erschließt
musiksoziologische Annäherungen an das musikalische Leben einer Großstadt
auf empirischer Basis. Ziel ist, das städtische Musikleben in Frankfurt am
Main zu porträtieren und in Teilstudien musikkulturelle Angebote und
Musikszenen der Stadt zu untersuchen.
Wir gehen dabei von folgenden Forschungsfragen aus:
Wie stellt sich das Musikleben der Stadt Frankfurt am Main dar, welche
Musikarten werden angeboten? Wie und wo sind kunstmusikalische,
popkulturelle Musikarten und migrantische Musikangebote in der Stadt zu
finden? Welchen sozialen Bedingungen unterliegen die jeweiligen Szenen? An
welchen Orten sind die unterschiedlichen Musikarten zu finden und welches
Publikum nimmt diese Angebote wahr? Welches musikpädagogische Engagement
gibt es außerhalb der etablierten Bildungsinstitutionen?
Anhand dieser Forschungsleitfragen und der charakteristischen lokalen
Bedingungen wurden folgende Themen gewählt und bearbeitet:
• Migrantische Musikkulturen und Orte ‚internationaler Musik’,
• Ausbildungssituation und berufliche Perspektiven von Jazzmusikern in
Frankfurt,
• Fördermöglichkeiten und Chancen von ‚Newcomern’ in Pop/Rockmusik,
• institutionalisierte und öffentliche Orte der Alten und Neuen Musik,
• Infrastruktur der Clubszene Frankfurt,
• außerschulische Angebote im Bereich der Musikpädagogik.
Durch einen methodenpluralistischen Ansatz wird es möglich, die Musikszenen
der Stadt Frankfurt am Main zu ‚kartographieren’ und somit eine integrative
Darstellung einzelner musikalischer Szenen als Teile städtischer Musikkultur
zu leisten. Die in unseren Studien aufgezeigten Beziehungen der
unterschiedlichen Musikszenen zur Stadt berühren somit auch aktuelle
Tendenzen kulturwissenschaftlicher Stadtforschung, die Bedingungen für ein
künstlerisch-kreatives Umfeld analysieren (vgl. Barber-Kersovan 2007).
Literatur:
Barber-Kersovan, Alenka (2007). Creative Class, Creative Industries,
Creative City. Ein musikpolitisches Paradigma, in: Sound and the City.
Populäre Musik im urbanen Kontext, hg. von Dietrich Helms und Thomas Phleps,
Bielefeld: transcript, S. 11-30.
Helms; Dietrich / Phleps, Thomas (Hg.)(2007). Sound and the City. Populäre
Musik im urbanen Kontext, Bielefeld: transcript.
Jost, Ekkehard (1999). Musik in einer mittelhessischen Metropole.
Untersuchungen zur Musikkultur in Gießen: Forschungsprojekt des Instituts
für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Justus Liebig-Universität Gießen,
Wintersemester 1998/99.
Kaden, Christian und Volker Kalisch (Hg.)(2002). Musik und Urbanität,
Arbeitstagung der Fachgruppe Soziologie und Sozialgeschichte der Musik in
Schmöckwitz/Berlin vom 26. bis 28. November. Essen: Die Blaue Eule.
Karbusicky, Vladimir (Hg.)(1982/1987). Das Musikleben in einer Stadt.
Berichte aus dem Seminar „Zur Methode der Beobachtung in der
Musiksoziologie“ im Sommersemester 1982, Hamburg: Musikwissenschaftliches
Institut der Universität Hamburg.
Rösing, Helmut (1981). Musik in Kassel. Aspekte zum Musikleben einer
mittleren Großstadt, dargestellt an ausgewählten Einzelstudien, Kassel
(Magistrat der Stadt Kassel, Amt für Kulturpflege).
Schneider, Albrecht (Hg.) (2001). MusikerInnen - Übungsbunker - Szene-Clubs.
Zur Infrastruktur der Popularmusik in Hamburg. Eine empirische Untersuchung
von J. Bolte, D. Czarnetzki, [...], A. Schneider u.a. (= Populäre Musik und
Jazz in der Forschung, Bd. 8), Münster: LIT-Verlag.
Der deutsche Schlager gilt im Allgemeinen als Musik für
eine ältere Generation. Als Beleg werden häufig die von Florian Silbereisen
moderierten „Feste der Volksmusik“ angeführt. 90 Prozent der Zuschauer sind
in der Altersgruppe über 50 zu finden. Aber ist bzw. war der Schlager
wirklich stets die Musik einer älteren Generation, der sogenannten „Bestagers“?
Jahrzehntelang war der Schlager, der von mir in diesem Zusammenhang als
kommerziell erfolgreiches deutschsprachiges Unterhaltungslied definiert
wird, überaus positiv konnotiert. Künstler wie Caterina Valente, Conny
Froboess oder Peter Kraus waren Stars, und zwar Stars verschiedener
Generationen, von jung und von alt. Spätestens seit dem Ende der 1960er
Jahre kämpfte der Schlager jedoch mit einem nachhaltig prägenden
Imageproblem. Schlager als Begriff und damit als Genre entwickelte sich für
die Mehrheit der jungen Generation zum Schimpfwort für (zu) seichte und (zu)
schnulzige Musik, ohne politisch-gesellschaftlichen Anspruch.
Deutschsprachige Unterhaltungsmusik stieß sich vor allem bei jungen Hörern
auf immer weniger Gegenliebe und englischsprachige Musik überwog in den
deutschen Charts, was zu einer kommerziellen Krise der gesamten
Schlagerbranche führte.
In den frühen 1980er Jahren stand die deutschsprachige Unterhaltungsmusik
mit der Neuen Deutschen Welle (NDW) für eine kurze Zeit wieder im
kommerziellen Mittelpunkt der Jugend, doch dominierte nach dieser kurzen
Phase erneut die angloamerikanische Musik. Erst mit Etablierung des so
genannten „Deutsch-Pop“ oder „Deutsch-Rock“ Mitte der 1990er Jahre
akzeptiert wieder eine jüngere Zielgruppe Deutsch als Sprache in der
Unterhaltungsmusik.
Inzwischen wird jede Alterzielgruppe von der deutschsprachigen
Unterhaltungsmusikindustrie bedient. Florian Silberiesen spricht mit seinen
„Festen der Volksmusik“ ein gänzlich anderes Alterspublikum an als
beispielsweise Yvonne Catterfeld.
Die unterschiedliche Ansprache der Zielgruppen kann auch am Textdichter
Frank Ramond betrachtet werden, der mit seinen Künstlern Annett Louisan,
Roger Cicero, Schwesterherz oder Ina Müller gezielt unterschiedliche
Altersgruppen anspricht.
In einem kurzen historischen Abriss werden die verschiedenen Zielgruppen des
Schlagers in Hinblick auf ihre Altersstruktur seit den sogenannten Goldenen
Zwanziger Jahren skizziert. So entdeckte die Industrie beispielsweise in den
1950er Jahren den Teenager als neuen Konsument, der mit gezielten Angeboten
beworben wurde. Der volkstümliche Schlager hingegen spricht seit mehr als
zwei Jahrzehnten Zuhörer außerhalb der werberelevanten Zielgruppe zwischen
14 und 49 Jahre an (92,7 Prozent).
Doch wird der Schlager in den letzten Jahren durch unterschiedliche von den
Plattenfirmen kreierte Etiketten auch wieder für die Jugend interessant.
Zudem sind Kinder ab dem Alter von drei Jahren seit mehr als zwei
Jahrzehnten eine für die Schlagerindustrie bedeutende Ziel- und damit immer
auch Konsumentengruppe.
Conceptual blending theory (Fauconnier, Turner 2002)
entwickelte sich aus zwei Ansätzen in der kognitiven Semantik – Mental Space
Theory und Conceptual Metaphor Theory. Ursprünglich als Modell von
Bedeutungskonstruktion entwickelt, kann es z.B. erklären, warum wir die
Äußerung „Dieser Chirurg ist ein Metzger!“ so verstehen, wie wir sie
verstehen: Wir kommen zu dem Schluss, dass der gemeinte Chirurg inkompetent
in seinem Fach ist, obwohl wir bei weitem nicht jeden Metzger als unfähig
betrachten. Während das Model sich zunächst auf Sprach-Bedeutung bezog, ist
es seither auf viele weitere Bereiche erweitert worden – es zeigt, wie neue
Bedeutung, die mehr als die Summe ihrer Teile ist, entsteht. Jedoch ist
dabei bisher die Anwendung auf musikalische Werke zu kurz gekommen und wurde
hauptsächlich mit dem Augenmerk auf der Musik behandelt (z.B. Aksnes 2002,
Zbikowski 2002, 2004, 2007a, 2007b). In einem neuen Ansatz soll versucht
werden, Musik und Text als separate, jedoch gleichberechtigte Input-Spaces
zu konstruieren – Input-Spaces, die erst im Zusammenspiel zu einer
neu-entstehenden Bedeutung führen, nicht zuletzt durch die mit der Musik
verknüpften Emotionen.
Conceptual blending theory lädt zu einer Analyse von populärer Musik
geradezu ein, da das Model unterschiedliche Input Modalitäten in seinen
Input-Spaces zulässt. Popular Song ist eine Form des Ausdrucks und der
Kommunikation, die Sprache, Musik und Emotion zu unterschiedlichen Anteilen
und in je nach Genre einzigartigen Formen kombiniert. Dieser Beitrag
versucht einen Abriss eines erweiterten Modells der Conceptual Blending
Theory zu geben, der Musik, Text und Emotion integriert und der einen neuen
Ansatz in der Analyse von populärer Musik darstellen kann. Die potentielle
Anwendung wird am Beispiel von Songs des südafrikanischen Singer-Songwriters
Roger Lucey illustriert.Literatur:
Aksnes, Hallgjerd. 2002. Perspectives of musical meaning. Oslo: Faculty of
Arts, University of Oslo. (Acta humaniora, 139)
Fauconnier, Gilles and Mark Turner. 2002. The Way We Think: Conceptual
Blending and the Mind’s Hidden Complexities. New York: Basic Books.
Zbikowski, Lawrence. 2002. Conceptualizing Music: Cognitive Structure,
Theory and Analysis. New York: Oxford University Press. (AMS Studies in
Music)
Zbikowski, Lawrence. 2004. “Modelling the Groove: Conceptual Structure and
Popular Music.” Journal of the Royal Musical Association 129, 2 (272–297)
Zbikowski, Lawrence. 2007a. “Metaphor and Music”. In: R. Gibbs , Jr. (Ed.).
The Cambridge Handbook on Metaphor. Cambridge: Cambridge University Press.
Zbikowski, Lawrence. 2007b. “Music, Language, and Multimodal Metaphor.” In:
C. Forceville & E. Urios-Aparisi (Eds.). Multimodal Metaphor. Berlin: Mouton
de Gruyter.
„Don´t
drink / Don´t smoke / Don´t fuck / At least I can fucking think“ sang Minor
Threat-Frontmann Ian MacKaye 1981 in seinem Song „Out of Step (with the
World)” und sprach damit nicht nur vielen jugendlichen Altersgenossen aus
der Seele, sondern formulierte auch die Grundgedanken eines Phänomens, das
sich mehr als 25 Jahre später weltweit wiederfinden lässt: Straight Edge.
Vor allem die Zurückweisung von Alkohol, Tabak, Drogen und Promiskuität, der
Wunsch nach Kontrolle über Körper und Geist, eine positive Grundeinstellung
und die Liebe zur Musik zeichneten Straight Edge insb. in seiner Anfangszeit
aus.
Musik spielt für Straight Edge eine entscheidende Rolle, hat sich Straight
Edge doch aus dem musikalischen Kontext des Hardcore-Punk bzw. Hardcore
heraus entwickelt und beschränkt sich in musikalischer Hinsicht
üblicherweise auf diese Stilrichtung und die entsprechenden Hörer. In den
letzten Jahren ist die Beziehung von Hardcore hören und einer authentischen
Straight-Edge-Identität allerdings zu einem der großen Streitthemen
innerhalb von Straight Edge geworden, zeigte sich teilweise eine Tendenz
zur Ablösung von den musikalischen Wurzeln. Trotzdem dient die Musik auch
weiterhin, neben der Einführung in Straight Edge und der Verbreitung der
dahinter stehenden Ideen, vor allem als Medium der Kritik an den
gesellschaftlichen Konventionen. Insgesamt nehmen die Bands eine besondere
Stellung ein, da sie als maßgebliche „Gestalter“ von Straight Edge antreten.
Sie thematisieren die grundlegenden Werte und Einstellungen, reflektieren
größere inhaltliche Trends und liefern den ideellen Rahmen, der die
Möglichkeit der eigenen Positionierung innerhalb der Gesellschaft und einer
kollektiven Identität bietet, auf die sich viele Straight Edger stützen.
Im wissenschaftlichen Diskurs wurde die grundlegendste Frage in Zusammenhang
mit Straight Edge bisher aber außer Acht gelassen: Was ist Straight Edge
überhaupt? Und damit ist nicht nur die Frage nach Inhalten oder einer
Definition gemeint, sondern auch die Frage nach einer sinnvollen
theoretischen Einordnung bzw. Kategorisierung. So stellten sich nach
eingehender Analyse die Lebensstiltheorien als angemessen für die Erfassung
dieses Phänomens heraus. Allerdings finden sich auch hier
Anwendungsschwierigkeiten und Einschränkungen. Um die Analysefähigkeit, aber
auch die Probleme, die mit den verschiedenen Lebensstilkonzepten verbunden
sind, darstellen zu können, soll in diesem Vortrag zunächst Straight Edge an
sich vorgestellt werden: Welche Grundgedanken werden mit Straight Edge
verbunden? Wie ist Straight Edge entstanden und wie hat es sich
weiterentwickelt? Was sind die größten Streitpunkte unter Straight Edgern?
So soll einerseits gezeigt werden, warum es so schwierig, wenn nicht gar
unmöglich ist eine einheitliche Definition von Straight Edge zu geben,
andererseits werden hier Inhalte, Ideen und Strukturen verdeutlicht, die für
eine anschließende Bewertung verschiedener Lebensstilkonzepte und ihren
spezifischen Problemen, aber auch Vorteilen bezüglich der Analyse von
Straight Edge dringend erforderlich sind.
Zusammenhänge zwischen
Lebensalter und Musikgeschmack zeigen sich nicht nur in zahlreichen Studien
zum Umgehen mit Musik, auch im Alltagswissen scheinen diese verankert zu
sein: „Erzähle mir von deinem Musikgeschmack und ich sage dir, wie alt du
bist.“ Zur Erklärung dieser Zusammenhänge werden in der Musikforschung zwei
konkurrierende theoretische Modelle herangezogen: Die Kohortenthese geht
aufgrund der besonderen Bedeutung der Jugendphase für das Umgehen mit Musik
davon aus, dass man dem Musikgeschmack seiner Jugend verhaftet bleibt:
„Ältere Menschen hören Schlager, weil das die Musik ihrer Jugend war.“
Demgegenüber verändern sich nach der Altersthese Musikgeschmack und
-rezeption über die Lebensspanne hinweg aufgrund der im Lebenslauf
begründeten Veränderungen: „Sobald man von Beruf und Familie in Beschlag
genommen ist, wendet man sich entspannender Musik zu.“ Das erste
Erklärungsmodell geht – vereinfacht ausgedrückt – davon aus, dass man sich
im Jugendalter seinen „musikalischen Rucksack“ mit seiner Lieblingsmusik,
seinen musikalischen Präferenzmustern, mit bestimmten Umgehensweisen und
musikbezogenen Ressourcen packt, mit dem man dann durchs Leben wandert. Im
Gegensatz dazu nimmt das andere Erklärungsmodell an, dass man seinen
musikalischen Rucksack an bestimmten Übergängen im Lebenslauf neu- oder
zumindest umpackt, ihn vielleicht auch ablegt oder gegen ein anderes
Rucksackmodell eintauscht.
Da es kaum empirische Arbeiten gibt, die sich explizit mit „crucial tests“
der angeführten Erklärungsmodelle befassen, kann die Forschungslage zum
Thema Alter und Musik als unzureichend beschrieben werden. Anhand der
Metapher des „musikalischen Rucksacks“ sollen in dem Beitrag die beiden
skizzierten Erklärungsansätze und entsprechende Befunde aus empirischen
Studien präsentiert werden. Die Vorstellung eines musikalischen Rucksacks
wirft weiterführende Fragestellungen auf, anhand derer eine neue, erweiterte
theoretische Perspektive auf den Zusammenhang von Lebensalter und Musik
erschlossen werden soll – z. B.:
Wer packt eigentlich meinen Rucksack bzw. wer hilft mir dabei oder hindert
mich daran, das einzupacken, was ich gerne einpacken würde?
Wie groß ist mein Rucksack? Und warum ist meiner größer oder kleiner als der
von anderen?
An welchen Stellen im Leben packt man etwas dazu oder aus, welche Dinge
werden jeweils ein- oder ausgepackt?
Führen die Dinge in meinem Rucksack ein Eigenleben oder bleibt alles, was
ich einpacke, über die Jahre unverändert? Packe ich das, was in meiner
Jugendzeit als „rebellische Jugendmusik“ einpackte, später als „Oldie“ oder
sogar als „Musik für gesetzte ältere Menschen“ wieder aus?
Berührt werden hier Fragen nach der musikalischen Sozialisation und deren
Bedingungen, nach der Gestaltbarkeit bzw. Gestaltung der eigenen
musikalischen Biographie, nach (musikbezogenen) Altersnormen, die in unserer
Gesellschaft bzw. in bestimmten sozialen Kontexten existieren, sowie nach
geänderten Bedingungen für das Umgehen mit Musik, die sich durch den Wechsel
von einer Lebensphase in die nächste ergeben. In die erweiterte theoretische
Perspektive sollen auch die Zuschreibungen an Musik, insbesondere
altersbezogene Hörerkonzepte und deren Kontextabhängigkeit integriert
werden.
Brasilien ist ein noch sehr junges Land, verfügt über
eine sehr junge Bevölkerung und ist stark vom „Jugendwahn“ geprägt. Dies
zeigt sich vor allem daran, dass es weltweit den größten Markt für
Schönheitsoperationen besitzt. Die populäre Musik des Landes ist sehr
vielfältig, wobei der Begriff der „Música Popular Brasileira (MPB)“ dort
einen wichtigen Kernbereich der populären Musik repräsentiert. Vor diesem
Hintergrund und dem Thema der Arbeitstagung stellt sich die Frage, welche
Bedeutung Alterungsprozesse in der „MPB“ haben? Zur Beantwortung dieser
Forschungsfrage sollen beispielhaft die Auswirkungen von Alterungsprozessen
auf die Musiker der „Jovem Guarda“ (junge Garde) untersucht werden. Hierbei
handelte es sich um eine brasilianische Jugendbewegung in den 60er Jahren,
die nach einer gleichnamigen Musiksendung im brasilianischen Fernsehen
benannt wurde. Stellvertretend für die zahlreichen Musiker aus dieser Zeit
wird dabei der Fokus auf die musikalischen Karrieren der drei wichtigsten
Vertreter dieses Genres (Roberto Carlos, Erasmo Carlos, Wanderléa) gelegt,
ihre Biografien gemäß der Fragestellung analysiert und anschließend
miteinander verglichen.
Intro: Das Thema.
1. In einer Wunschsendung bei Radio Bremen (‚Grüße und
Musik’) würde ‚Whole lotta love’ von Led Zeppelin vom Bewohner eines
Seniorenheims gewünscht.
2. Meine Forschungen zum deutschen Popjournalismus 1956-1979 ergaben, dass
es bei Autoren, die über Pop schreiben, das Phänomen ‚Forever Young’ gibt.
Musikkritiker schliessen sich vorbehaltlos neuen Strömungen an (Black Music,
Punk, Weltmusik) ideologisieren und politisieren sie, um sich am Puls der
Zeit und auf der Seite devianter Outcasts zu fühlen. Sie erklären sich und
ihre präferierte Musikrichtung zur Avantgarde mit dem Ziel, auch sich selbst
zu verjüngen. Beispiele: Hollow Skai, Alfred Hilsberg, Diedrich Diederichsen
usw. (Rumpf 2004)
Methode: Inhaltsanalyse und Interpretation von aktuellen und historischen
Zeitungs- und Zeitschriftentexten aus ‚FAZ’, ‚Stern’ und ‚Spiegel’.
Meiner These nach vollzieht sich die ‚Unsterblichkeitsdramaturgie’ in drei
Stufen, die ich an Presley zeigen möchte. Ich werde in drei Jahrzehnte
(1958, 1977, 2007) hineinleuchten, aus denen vollkommen konträre Signale
kommen: In die konservative Welt der 1950er bricht Presley mit aller Wucht
ein wie eine Figur vom anderen Stern. Er ist Anfang 20, sexy, charmant, ein
verführerischer Latin Lover-Typ, der perfekt singt und die etablierten
Crooner (Sinatra, Crosby, Liberace, Ray) mit seinem exzessiven Tanzstil plus
der Explosivität des Rock’n’Roll mit einem Augenaufschlag an die Wand
spielt. Eine Generation von Teenagern verbindet sich mit ihm, die
Erwachsenen lehnen ihn ab. Nach ersten (in den Medien dramatisierten)
Ausschreitungen und Hysterien sind Öffentlichkeit und Medien geschockt.
I: Verteufelung, Abwehr vs. Vermarktung.
1956-58 wird Presley von RCA zum Star aufgebaut (als Sänger, Entertainer,
Kinoheld), gleichzeitig wird er von der Presse als sexualisierender,
Hysterie erzeugender und Gewalt provozierender Verführer der Jugend
abqualifiziert und denunziert.
Presley wird von der Schallplattenindustrie offensiv vermarktet, während
(oder gerade weil) er zeitgleich in den Medien verteufelt bzw. ignoriert
wird. Das amerikanische TV, das auf Stars populärer Unterhaltung setzt,
zeigt ihn bald nur noch als Brustbild, seine wirkungsvoll in Szene gesetzten
Hüftschwünge werden den Fans vorenthalten. Verteufelung wird Konsens, auch
‚Spiegel’, ‚Stern’ und ‚FAZ’ schliessen sich der Meinungsmache aus den USA
an.
Beispiel: Spiegel-Titelstory 1958: “Von Dixieland nach Kinseyland,
Rock’n’Roll-Singer Elvis Presley (siehe ‚Schlager’).“
Als Presley im Oktober 1958 als GI nach Deutschland kommt, beginnt eine
zweite, speziell deutsche Presley-Wahrnehmung, die in der hessischen Provinz
spielt: Presley, der privilegiert in einer Villa in Bad Nauheim lebt,
Sportwagen fährt, tritt als gewissenloser ‚Verführer’ einer 17jährigen
Frankfurterin auf.
Beispiel: Stern 1958: Die Geschichte von Margrit Bürgin: „Liebeslieder im
Taxi“.
II: Dramatisierung, Glorifizierung. Feudalisierung.
Der ‚King’ tritt ab. 1977 schockt das tragische Ende des
Las-Vegas-Entertainers. Die Medien huldigen ihm, die Unterhaltungsbranche
legt fleißig Platten nach.
Als Presley krank, fett, schwerreich, einsam und drogenabhängig im August
1977 überraschend stirbt, ist er Thema in der Tagesschau. Die Popkultur mit
ihren Accessoires und Utopien (Mode, alternative Lebensformen, liberaler
Lebensstil usw.) ist inzwischen Mainstream. Im Radio sorgt
anglo-amerikanische Popmusik für den guten Ton, an den Gymnasien werden
Beatles-Texte übersetzt, Jacques Loussiers ‚Play Bach’ oder ‚Pictures at an
Exhibition’ von Emerson, Lake & Palmer analysiert. Aus Presley ist
inzwischen ein mit Brillanten behängter Las Vegas-Star weit abseits der
Popszene und der aktuellen Musikmode (Genesis, Fleetwood Mac, Queen, The
Clash) geworden, ein alternder Glamourboy, abgetrennt von Markt und
Publikum.
Während der Tod Brian Jones, Jim Morrison oder Jimi Hendrix Klischee getreu
(‚Live fast, die young’, ‚I hope I die, before I get old’) in jungen Jahren
traf, ist Presley 42 Jahre alt und Frank Sinatra und Liberace weit näher als
Chuck Berry. Die Medien überschlagen sich, sogar US-Präsident Jimmy Carter
kondolierte: „Ein Stück Amerika ging verloren.“
III: Postmortale Imagekampagnen: CD, DVD, Coverversionen.
Presley ist heute präsenter als je zuvor, eine weltbekannte Persönlichkeit
aus dem Showbiz, er gehört zum Grundwissen Popmusik. Regelmäßig werden
Hit-Kompilationen, Singles, verworfene Studiotracks, Live-Auftritte
veröffentlicht. 2002 gelang es BMG gar, ‚A little less conversation’ (1968)
in einem Remix des holländischen DJs JXL auf Platz eins der britischen
Charts (und ins deutsche Radio) zu hieven. Mit diesem 18. Nummer-eins-Hit
brach Elvis einen Rekord, er übertrumpfte die Beatles, die es in GB nur auf
17 gebracht hatten. 2007 gab es Artikel und Dutzende von Sendungen zum 30.
Todestag und eine DVD mit TV-Auftritten aus den 1950ern, weitere werden
folgen.
Solange Elvis Presley im Radio ‚In the Ghetto’ singt, solange dieser
dutzendfach Song gecovert wird (Fugees, Paul Young, Busta Rhymes, Ghetto
People, Münchner Philharmoniker, Angie Stone, Howard Carpendale, Ronan
Keating, Nick Cave, Helmut Lotti uva.), solange die Plattenindustrie in
riesiger Stückzahl Alben absetzt, dreht sich die Spirale in Richtung
Unsterblichkeitsdramaturgie weiter.
Alter(n) in der populären Musik? Dank dem Ineinandergreifen von
Unterhaltungsindustrie, Medien und dem Bedürfnis der Hörer nach opernhafter
Tragödie und populärer Legende längst kein Problem mehr.
Das Phänomen eines frühen, meist gewaltsamen Todes in
noch jungen Jahren nach einem kurzen, aber intensiv verbrachten Leben als
ultimativer Akt der Rebellion und Freiheitsfindung gegenüber der älteren
Generation und dem Altern an sich ist tief in der Mythologie des Rock and
Roll verwurzelt und lässt sich sowohl in den Biographien von Musikern (z.B.:
Buddy Holly, Eddie Cochran), Schauspielern (z.B.: James Dean, Marilyn
Monroe) und Künstlern (z.B.: Jackson Pollock), als auch in Songtexten,
Drehbüchern und Literatur wieder finden.
Dass dieser Rock and Roll-Tod eng in Verbindung steht mit der eigentlichen
Ära des Rock and Roll in den USA der 1950er Jahre ist offensichtlich und so
beginnt die Suche nach den Ursprüngen, die zur Ästhetisierung dieser
Todesart führen genau an dieser Stelle. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem
Hillbilly-Sänger und Songschreiber Hank Williams Senior zu. Die Umstände
seines tragischen Ablebens (Alkohol, Drogen, Einsamkeit, Todesverachtung) im
Alter von nur 29 Jahren wurden zum festen Bestandteil der Mythenbildung
vieler nachfolgender Tode junger Künstler. Dabei unterscheidet sich die
Affinität zum Tod hier deutlich von der romantischen Todessehnsucht des 19.
Jahrhunderts oder auch der in sich geschlossenen, faustischen Mythologie des
afro-amerikanischen Blues personifiziert durch Leben und Tod des Musikers
Robert Johnson. Am ehesten scheint sie sich aus der Heroisierung junger
Rebellen in amerikanischen Folksongs und Mörderballaden des späten 19. und
frühen 20. Jahrhunderts herleiten zu lassen. Das Phänomen wird anhand
exemplarischer Figuren aus der Populärkultur der 2. Hälfte des 20.
Jahrhunderts untersucht und geklärt in wie weit der Mythos sich verändert
bzw. in welcher Form er heute noch Bestand . Mögliche Objekte der
Untersuchung sind die Biographien von Hank Williams, James Dean, Buddy
Holly, Eddie Cochran, John F. Kennedy, Brian Jones, Paul McCartney, Jim
Morrison, Kurt Cobain, Falco und Heath Ledger. Abschließend wird das
gezielte mediale Spiel mit dem Thema Rock and Roll-Tod in der Inszenierung
lebendiger, gegenwärtiger Popstars (z.B.: Pete Doherty, Amy Winehouse,
Britney Spears) erläutert.
Ziel des Vortrags ist es die Ursprünge des Mythos Rock and Roll-Tod zu
erforschen und das Phänomen in einen sozio-kulturellen Kontext innerhalb der
westlichen Populärkultur zu setzen. Es ist zu klären, inwiefern der Mythos
sich aus dem Umfeld der nordamerikanischen Folk, Country und Rock and
Roll-Musik heraus entwickelt hat, wie er sich über die Jahrzehnte wandelte
und in welcher Gestalt er sich bis ins 21. Jahrhundert erhalten konnte.Literatur:
Everitt, Rich (2004). Falling Stars: Air Crashes That Filled Rock & Roll
Heaven. Harbor House.
Katz, Gary J. (1998). Death by Rock and Roll: Untimely Deaths of the Legends
of Rock. Robson Books Ltd.
Klosterman, Chuck (2006). Killing Yourself to Live. 85% of a True Story. B&T
Pike, Jeff (1993). The Death of Rock 'N' Roll: Untimely Demises, Morbid
Preoccupations, and Premature Forecasts of Doom in Pop Music. Faber and
Faber.
Thompson, Dave (1999). Better to Burn Out: The Cult of Death in Rock N Roll:
The Cult of Death in Rock 'n' Roll. Thunder's Mouth Press.
It has been almost forty years since the term ‘Northern
Soul’ was coined. Yet week-in and week-out for the last four decades
dedicated soul fans have continued to attend all-nighters, to dance
energetically, to take drugs and to trade rare soul records at Northern Soul
events. Via involvement in such practices it is suggested that the ageing
fans have succeeded in sustaining an identity which originated in youth
scene participation. This is however problematic when issues of altering
subjectivity, retrospection and nostalgia are considered. Moreover, the
scene has not remained static and as such the constant, yet slowing, arrival
of young newcomers to the scene has created an interesting dynamic in terms
of the performance of self and subsequent ideas surrounding the performance
of an “authentic” Northern Soul identity.
Northern Soul – a British music culture centred upon the direct acquisition
of American 1960s soul music which is energetically danced to, fervently
collected, and continuously celebrated in clubs in the north of England –
offers a unique example of a matured “youth” scene now frequented
predominantly by adults. This paper discusses the impact of the growing body
of adult popular music consumers in the twenty-first century. The Northern
Soul scene is discussed in relation to the affect of membership maturity
upon the performance of identity and conceptualisations of cultural
identification, performativity, and subjectivity. Post-subcultural theory is
drawn upon to incorporate notions of adulthood into popular music scene
theorisation, thus calling for a theoretical progression beyond the
prioritisation of the master narrative of youth within popular music studies.
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